Dein Wort des Jahres: Wie du es findest und wozu es gut ist
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Dein Wort des Jahres: eine Alternative zu guten Vorsätzen

Ich gebe zu: Ich habe das Konzept von guten Vorsätzen fürs neue Jahr noch nie verstanden und Ziel zu setzen irgendwie genauso wenig. Woher soll ich denn wissen, was das Jahr so bringt? Manchmal weiß ich ja nicht einmal, was der nächste Tag bringt. Da erschien es mir immer ein wenig sinnlos, Ziele zu setzen oder mir irgendetwas vorzunehmen. Hinzu kommt noch, dass sich meine Interessensgebiete oft mit den Jahreszeiten ändern. Also nix mit Vorsätzen oder Zielen.

Vor vielen Jahren stolperte ich eher zufällig über ein Wort des Jahres bei Jamie Ridler. Das war etwas, das mich irgendwie ansprach. Also begann ich gleich über ein gutes Wort nachzugrübeln. Mein erstes Wort: Im Einklang. Das war das Wort für 2020.

Für 2021 wählte ich ganz optimistisch ‚wilde Magie‘. Corona ging in die zweite Runde, alles wurde irgendwie noch schlimmer. Ich war zu dem Zeitpunkt Leiterin einer Lebensmittelausgabe und im Gegensatz zu allen anderen Arbeitenden, die nun zu Hause festsaßen, hatte ich Arbeit bis zum Abwinken. Also änderte sich ‚wilde Magie‘ ganz schnell in ‚Nein‘. Nein war definitiv mein Lebensretter in jenem Jahr und eins der coolsten Worte, die ich bisher hatte.

Seitdem hatte ich Worte bzw. Phrasen wie „eingestimmt“, „Souveränität“. In 2023 war „Schau, was passiert“ mein Satz. Ein wirklich spannendes Jahr! Aber auch ganz schön anstrengend, weil ich einfach ALLES ausprobiert habe.

Wozu brauche ich ein Wort des Jahres?

Du brauchst natürlich gar keins. Für mich persönlich ist das Wort des Jahres eine Alternative zu großen Zielen, übertriebenen guten Vorsätzen oder anderen Dingen, die so zum Jahresübergang üblich sind, und ich fahre damit seit vielen, vielen Jahren wirklich sehr gut.

Je nachdem welches Wort ich gewählt habe, kann es mein Anker sein, mein Taschencoach, mein Gewissen, meine Grenze, mein Sicherheitsnetz oder auch ein guter Freund. ‚Schau, was passiert‘ wisperte es zum Beispiel immer im Hinterkopf, wenn ich eine Entscheidung treffen musste. ‚Nein‘ hingegen war eine klare Grenze und hat in 2021 wie schon erwähnt dafür gesorgt, dass ich den Kopf über Wasser halte. ‚Sanft‘ hingegen war ein Wort, das mich in 2022 daran erinnerte, dass ich es langsamer angehen darf, dass es okay ist, sanft, still, leise zu sein. Dass ich mit mir selbst auch einen einfühlsamen Umgang pflegen sollte.

Dein Wort ist das, was Du daraus machst. Es gibt kein richtig oder falsch. Das Wort kann so bedeutend oder unbedeutend sein, wie Du möchtest – oder wie es vielleicht auch einfach so passiert. Es kann ein goldener Faden durch das Jahr sein oder reine Magie, die dich trägt. Probier’s einfach aus und sieh, wo es Dich hinführt.

Wie finde ich mein Wort fürs neue Jahr?

Gute Frage. Ich habe mich einfach auf die Suche begeben. Habe mich gefragt, was sich gut anfühlen würde fürs neue Jahr. Meistens fange ich schon im November an, nach einem neuen Wort fürs nächste Jahr Ausschau zu halten, aber Du kannst Dir jederzeit ein Wort suchen – egal ob im April oder August. Vielleicht springt Dich ein Wort in einem Buch an. Eine Phrase. Eine Zeile aus einem Gedicht oder Lied. Alles ist erlaubt.
Folgende Fragen können Dir vielleicht bei der Suche helfen:

  • Wie möchtest Du Dich im neuen Jahr fühlen?
  • Wonach sehnt sich Deine Seele fürs neue Jahr?
  • Welcher Aspekt Deines Lebens braucht mehr Raum zum Atmen?
  • Was sind Deine Grundwerte? Dinge wie Integrität, Ehrlichkeit, Magie, Familie, Selbstverwirklichung, Einfachheit.
  • Was steht in diesem Jahr an? Brauchst Du vielleicht eine Ermutigung wie „Du bist genug“? Brauchst Du ein Wort, das Dich in den Hintern tritt? Eine Erlaubnis? Einen weisen Ratgeber? Ein Wort, das Dich auffängt, wenn die Welt total überwältigend scheint?
  • Wovon wünschst Du Dir mehr in Deinem Leben? Abenteuer? Ruhe? Sicherheit? Gelassenheit?

Du kannst die Fragen mit in Dein Tagebuch nehmen oder vielleicht sind Dir beim Lesen auch gleich neue Dinge eingefallen.
Bleib in den nächsten Tagen offen, höre zu. Es schadet auch nicht, ein Notizbuch dabei zu haben, damit Du Dir dein Wort sofort aufschreiben kannst, wenn es Dir über den Weg läuft.
Wenn Du ein Wort gefunden hast, dass passen könnte, fühl in Dich hinein.

Übrigens bietet Susannah Conway ein kostenloses Workbook zum Thema Finde Dein Wort an. Leider ist das Workbook nur in englischer Sprache erhältlich und Du musst Dich erst für ihren Newsletter anmelden. Dieses Jahr war es eine echte Hilfe für mich, um mein Wort ein bisschen besser einzugrenzen. Du findest die Anmeldeseite hier.

Und zu guter Letzt: Du darfst Dein Wort auch nach ein paar Wochen oder Monaten wieder ändern! Du kannst auch ein Wort oder einen Satz haben, der noch durch andere Wörter ergänzt wird.

Nicht jedes Jahr braucht ein klares Wort wie „Nein“. Manchmal braucht es etwas Weicheres, Zarteres. Experimentiere, probiere Dinge aus und schau, was passiert!

Dein Wort: Warum es manchmal besser ist, es niemandem zu verraten

Wenn Du Dein Wort gefunden hast, ist der Drang vielleicht groß, es jedem zu erzählen. Bevor Du das tust, empfehle ich Dir jedoch Dein Wort zu fragen, ob es geheim ist oder geteilt werden darf.
Manche Worte dürfen gern an die Öffentlichkeit gelangen. Manchmal kann es sogar hilfreich sein, das Wort mit anderen Leuten zu teilen.
Aber oftmals kann es eben auch besser sein, das Wort für sich zu behalten. In vielen Kulturen und auch in unseren eigenen Märchen ist das Geheimhalten oft ein zentrales Thema. Sobald die Helden zu viel ausplaudern, ist die Magie futsch.
Ich bin mir bewusst, dass das unserer derzeitigen Kultur und auch vielen Ratschlägen im Internet entgegensteht. Sag es allen! Teile es auf IG oder X oder sonstwo!
Nein. Muss nicht sein. Meiner Erfahrung nach gehen Dinge eher in Erfüllung, wenn ich den Mund halte und nicht drüber spreche. Schließlicht darf man beim Ausblasen der Geburtstagskerzen den Wunsch auch niemandem verraten, richtig? Deshalb: Frag Dein Wort. Und im Zweifelsfall lieber Stillschweigen bewahren, bevor das Wort seine Magie verliert.

Ich habe dieses Jahr auch ein geheimes Wort. Das darf niemand erfahren. Nicht einmal meine allerengsten Freunde oder mein Mann. Und ich habe ein ‚öffentliches‘ Wort, bzw. einen Satz. Dieses Jahr heißt er: In der Lehre der Natur.

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