Buchtipp: Initiation und indigenes Wissen – Malidoma Patrice Somé
Echte Magie gibt es nicht mehr?
Doch, es gibt sie, schreibt Malidoma Somé, und sie ist sogar sehr real für einen Angehörigen des afrikanischen Stammes der Dagara.
Somés Ausführungen in seinem ersten Buch Vom Geist Afrikas: Das Leben eines afrikanischen Schamanen (orig. Of Water and the Spirit – das rechte Buch auf dem Bild) über sein Leben waren so fantastisch wie ein Fantasy-Roman. Nein. Fantastischer. Weil es eben kein Fantasy-Buch war, sondern ein Lebensbericht.
Das Buch war so spannend, dass ich es nicht weglegen konnte und so vollgepackt, dass ich immer wieder Pausen machen musste, um über das Gelesene nachzusinnen oder Dinge selbst auszuprobieren. Denn ja, Somés Bücher sind gespickt mit praktischen Anregungen für den ganz normalen Alltag. Auch seine Biographie.
Mehr über Somés zwei Bücher Vom Geist Afrikas (orig. Of Water and the Spirit) und Die Kraft des Rituals (orig. Ritual: Power Healing and Community), was mich and den Büchern ganz besonders fasziniert sowie einige meiner Lieblingszitate (alle in eigener Übersetzung aus dem Englischen), findest du im Folgenden.
Vom Geist Afrikas: Somés steiniger Weg
Vom Geist Afrikas beschreibt Somés Kindheit und Jugend sowie seine Initiation ins Erwachsenenleben.
Mit vier Jahren wird Somé von den Franzosen entführt und wächst fortan unter der Tutelage der Priester gemeinsam mit anderen afrikanischen Kindern im Internat auf. Er wird also als Westler erzogen. Alle indigenen Praktiken sowie der Gebrauch seiner eigenen Sprache werden ihm und den anderen Kindern gewaltsam ausgetrieben.
Nach einer Auseinandersetzung mit einem Priester verlässt der inzwischen zwanzigjährige Somé Hals über Kopf das Internat und kehrt zurück zu seinem Volk. Doch von dem warmen Willkommen keine Spur, denn Somé spricht seine eigene Muttersprache nicht mehr und denkt wie ein Westler. Der zweite Teil des Buches beschreibt seinen steinigen Weg zurück zu seinen eigenen Wurzeln.
Das Buch hat mich tief berührt. Somé nimmt kein Blatt vor den Mund und berichtet schonungslos offen von seinen eigenen inneren Konflikten, Zweifeln und Ängsten.
Initiation ist kein Zuckerschlecken, kein einfacher Spaziergang im Wald, sondern endet für manche mit dem Tod. Auch Somé bekommt es mit der Angst zu tun, als seine eigene Initiation ansteht. Die Ältesten haben nicht viel Hoffnung, einige sind seiner Initiation sogar offen feindselig gegenüber eingestellt. Kein einfacher Start.
Echte Magie
Wünschen wir uns nicht alle, dass Magie wirklich existiert? Dass wir nicht nur darüber in Fantasy-Büchern lesen müssen, sondern wir sie ganz real erleben könnten? Ich definitiv.
Somé schreibt über etliche magische Praktiken und Rituale, die für sein Volk ganz normal sind. Dinge, die ich mir sonst nur für meine Fantasy-Bücher ausdenke. Über den Umgekehrt-Pfeil, mit dem sein Großvater sich und seine Familie vor den Weißen verteidigt hat. Über Tote, die auch nach ihrem Tod noch sprechen und umhergehen können. Über Flüche, Geistwesen und andere Welten, in die Somé selbst während seiner Initiation gereist ist.
Alles Humbug? Halluzinationen? Ich habe keine Ahnung. Vermutlich müssen wir es selbst ausprobieren.
Ich jedenfalls habe einen Heidenrespekt vor dem Initiationsritus der Dagara und dem tiefen Wissen der Ältesten, die Somé als auch alle anderen jungen Männer durch den Ritus führen. Und auch eine tiefe Sehnsucht nach dieser anderen Welt, nach Magie.
Die Grundpfeiler traditioneller Erziehung bei den Dagara
Initiation findet in der Gruppe statt, beschreibt Somé. Begleitet von den Ältesten zieht Somé mit den anderen Jugendlichen aus, um sich sechs Wochen lang in der Wildnis schwierigen Prüfungen zu unterziehen und in den magischen Praktiken des Stammes ausgebildet zu werden.
Dabei geht es im Wesentlichen, so schreibt Somé, um drei Grundlagen:
- Die Erweiterung der Sichtweise
- Den Körper davon zu entwöhnen, sich nur in einer Existenzebene aufzuhalten
- Unterweisung darin, transdimensional zu reisen und wieder zurückzukehren
Diese Art der Erziehung, so Somé, bedeutet schlicht eine Rückkehr zu dem eigentlichen, ursprünglichen Selbst. Die Erziehung dient also dazu, sich selbst wiederzufinden und den Grund herauszufinden, weshalb die eigene Seele sich dazu entschieden hat, in diese Welt hinüberzuwechseln und als Mensch geboren zu werden.
Sehen lernen
Am meisten bewegt hat mich wahrscheinlich Somés Begegnung mit dem Yila Baum, die er in Kapitel 15 in Vom Geist Afrikas schildert. Alle jungen Männer hatten die Aufgabe, sich einen Baum auszusuchen und ihn anzusehen. Wonach sollten sie Ausschau halten? Das wurde ihnen nicht gesagt.
Somé saß tagelang da und betrachtete den Baum. Die Ältesten machten sich über ihn lustig oder hatten die Hoffnung aufgeben. Die anderen jungen Männer hatten bereits alle die Aufgabe absolviert, bis …
Bis Somé selbst so frustriert und hoffnungslos war, dass er dem Baum sein Herz ausschüttete. Der Baum verwandelte sich in eine Frau, eine gütige Naturwesenheit, die Somé in ihre Arme schloss und ihn tröstete.
Ich muss gestehen, dass ich ein wenig neidisch war, als ich die Schilderung dieser Begegnung las. Aber vielleicht muss ich das gar nicht sein, vielleicht stehen mir solche Begegnungen auch offen. Vielleicht muss ich einfach nur genauer hinsehen.
Vielleicht hatte der kleine Prinz recht und man sieht nur mit dem Herzen gut.
Vielleicht muss ich einfach nur genauer hinsehen.
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Dunkelheit ist heilig
Somés Ausführungen zur Wichtigkeit der Dunkelheit haben mich ebenfalls sehr ins Nachdenken gebracht. Ich bin ein Nachtmensch und als Jugendliche war es keine Seltenheit, dass ich bis drei Uhr morgens gelesen habe. Im Schichtdienst blieb mir keine andere Wahl, als erst um zwei Uhr morgens ins Bett zu gehen.
Kein Wunder, dass sich die Ideen und Gedanken auf mich stürzen, sobald ich das Licht ausmache. Während einer Dunkelheitspraxis im Dezember habe ich gemerkt, wie still es werden kann, wenn man vor dem Zubettgehen den „Geistern“ Raum gibt, zu einem zu sprechen. Obwohl selbst Feuerschein die Geister laut Somé vertreibt, wenn es nicht durch den Schlag der Trommeln neutralisiert wird. (Ja, ich habe meine Bodhrán, eine irische Rahmentrommel, rausgeholt und es ausprobiert. Keine Ahnung, ob es einen Unterschied gemacht hat.)
„Dunkelheit ist heilig bei den Dagara“, schreibt Somé. Was haben wir verloren, als wir die Dunkelheit erhellt haben?
Während meiner Zeit im Jemen haben wir einmal ein Bergdorf besucht. Wir sind eine Nacht geblieben und natürlich ist am Abend mal wieder der Strom ausgefallen, was keine Seltenheit dort ist. Wir sind also alle rauf aufs Dach geklettert und haben es uns unter dem Sternenhimmel gemütlich gemacht. Ich habe noch nie so viele Sterne gesehen wie in dieser Nacht im jemenitischen Bergland. Alle Probleme werden angesichts dieser Weite völlig unwichtig. Was bleibt sind Ehrfurcht und Staunen.
Es liegt etwas Heiliges in der Dunkelheit. Etwas Magisches. Meine Seele atmet jedes Mal auf, wenn ich das Licht ausmache, wenn ich mich raus in die Dunkelheit setze oder einen Nachtspaziergang mache und die Lichter des Dorfes hinter mir lasse.
Es liegt etwas Heiliges in der Dunkelheit.
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Verantwortung und Beschützen
Die persönliche Verantwortung, so schreibt Somé, ist bei den Dagara sehr wichtig. Im Westen versuchen wir unsere Welt so sicher und vorhersagbar wie nur möglich zu gestalten. Jeden Tag scheinen neue Gesetze dazuzukommen, die uns absolute Sicherheit vorgaukeln.
Aber „Beschützen ist toxisch“, schreibt Somé, vor allem für die Person, die beschützt wird. Sie wird klein gehalten, kann sich nicht entfalten und nicht wachsen. Wie eine Pflanze, die im Haus gezüchtet wird, bleibt sie schwach und fällt beim ersten Sturm um.
Als ich ein Kind war, bin ich ohne Handy oder GPS Ortung den ganzen Tag durchs Dorf und die Wälder gestreift. Meine Mutter hatte keinen blassen Schimmer, wo ich mich aufhielt. Aber sie hat mir vertraut, dass ich keinen Unsinn anstelle, und den Weg wieder nach Hause finde. Wir alle brauchen Freiheit. Die Freiheit, Fehler zu machen, stärkt unser Selbstvertrauen und unsere innere Widerstandsfähigkeit.
„Du bist dein eigener und bester Beschützer“, schreibt Somé weiter. Ich kenne mich selbst am besten und weiß, was gut für mich ist. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich als Kind wesentlich weiser war als jetzt, mir selbst viel mehr vertraut habe und meinen Körper besser verstehen konnte. Doch über die Jahre habe ich gelernt, mir selbst zu misstrauen und mehr wert auf gesellschaftliche Konventionen zu legen. Wenn ich allerdings meiner wilden Seele wieder lerne zu vertrauen, was, zugegeben, gar nicht so einfach ist, dann kann ich den Stürmen des Lebens ganz anders begegnen. Dann kann ich wie eine Eiche langsam ein ausgeprägtes Wurzelsystem und einen festen Stamm entwickeln, der auch bei dem schlimmsten Orkan fest verwurzelt bleibt.
Es beinhaltet aber auch, dass ich Verantwortung für mich selbst übernehmen muss, für mein Leben, für meine Entscheidungen. Egal, wie ich hier gelandet bin oder was mir das Leben gegeben hat, ich bin dafür verantwortlich, wie ich damit umgehe und was ich daraus mache. Ein Gedanke, der mich schon ein wenig schlucken lässt. Wie gern würde ich die Verantwortung einfach abgeben. Jemand anderem die Entscheidungen überlassen.
Somé mutet und ganz schön was zu. Ich persönlich fühlte mich beim Lesen ertappt und herausgefordert zugleich. Wo drücke ich mich vor der Verantwortung? Wo schiebe ich sie einfach ab und gebe jemand anderem oder den Umständen die Schuld, wenn die Dinge nicht so laufen, wie ich mir das vorstelle? Wo erdrücke ich vielleicht andere, indem ich versuche, sie zu beschützen?
Stille
Stille scheint in unserer Gesellschaft eine vom Aussterben bedrohte Art zu sein. Wann war es in deinem Leben das letzte Mal still? Ich höre oft von Leuten, dass sie Stille gar nicht ertragen können, dass immer das Radio, der Fernsehr, ein Podcast läuft.
Für mich ist es eher umgekehrt. Ich kann Lärm nicht gut ertragen und habe es am liebsten ganz still. Wahrscheinlich fand ich Somés Ausführungen über den Stellenwert von Stille bei den Dagara deshalb so faszinierend und heilsam.
Über Magie darf nicht gesprochen werden, sonst verliert sie ihre Macht. Auch Erlebnisse sind oft privater Natur. Somé schreibt selbst, dass gewisse Teile seiner Initiation geheim sind und er nur über sehr ausgewählte Teile geschrieben hat.
Das Erzählen selbst schmälert das, von dem man erzählt, schreibt Somé. Etwas, das wahrscheinlich jede und jeder Introvertierte sehr gut nachvollziehen kann. Es geht einfach etwas verloren. Manchmal wollen die Worte selbst nicht so recht, ich weiß genau, was ich vermitteln möchte, kann es spüren, aber die Worte dazu wollen sich nicht finden.
„Ich glaube inzwischen, dass Dinge am Leben bleiben proportional zu der Stille, die sie umgibt. Bedeutung braucht keine Worte, um zu existieren.“
Wie würde unsere Gesellschaft aussehen, wenn alles ein wenig stiller werden würde? Wenn nicht der Lauteste siegt, sondern derjenige, der sich Zeit für Stille nimmt?
Für mich bereichert Stille immer das Leben. Meine Gedanken klären sich, ich komme bei mir selbst an. Wenn alles still wird, höre ich die Dinge wieder singen, wie schon Rilke in seinen Gedichten schrieb.
Offenbar ist das ein Phänomen, das die Dagara nicht nur kennen, sondern was sie bewusst und aktiv praktizieren.
„Die Macht der Natur existiert in ihrer Stille“, schreibt Somé. Und was für eine Macht das ist. Eine Macht, die Landmassen verschiebt, gigantische Bäume hervorbringt, die dann tausende von Jahren alt werden.

Die Kraft des Rituals: Somés Anleitung für rituelles Handeln im Alltag
Somé hat noch zwei weitere Bücher geschrieben. Die Kraft des Rituals habe ich bereits gelesen. Es ist ein wenig wie ein Begleit-Workbook zu Vom Geist Afrikas, in dem Somé viele rituelle Praktiken kurz und knapp zusammenfasst und Anleitungen gibt, wie man selbst mit den Ahnen in Kontakt treten kann, wie man beten und Rituale durchführen kann.
Darüber hinaus beschreibt er die seiner Meinung nach größten Unterschiede zwischen indigener und industrieller Kultur und schildert aus seiner Sicht, als ein Mann zwischen den Kulturen, was in der westlichen Welt schiefläuft und wie ein Weg zurück aussehen könnte.
„Der Unterschied zwischen der indigenen und der industriellen Welt liegt hauptsächlich im Tempo.“
Malidoma patrice somé
Der Ausdruck von Emotionen, insbesondere Trauer, Langsamkeit, die Fähigkeit, wieder genau hinzusehen – Somé legt den Finger in die Wunde und ist auch hier schonungslos ehrlich.
Ein sehr kurzes Buch und ein praktisches Handbuch und eine Warnung, dass wir nur, wenn wir langsamer machen, wenn wir innehalten und hören, wir eine Chance haben, die Magie zu erleben.
Technologie und Lebenstempo
„Man kann nicht in Harmonie mit Technologie leben. Man dient ihr und wird mit Hoffnung darauf, von ihr eines Tages erfüllt zu werden, gefüttert.“
Malidoma patrice somé
Gerade im Zeitalter von KI haben mich diese Worte sehr tief erschüttert. Als ich ChatGPT das erste Mal ausprobiert habe, war ich total begeistert. Endlich erhielt ich klare und gründliche Antworten auf Fragen, die ich schon vielen Leuten gestellt hatte. Ich bekam super Anregungen für Themen, vor denen ich wie der Ochs vorm Berge saß. Und war endlos frustriert, weil die doofe KI manchmal veraltete Infos hatte, Info-Dumping betrieben hat oder sich selbst widersprach.
Was uns die neuste Technologie vor allem immer wieder verspricht: noch schneller und bequemer alles zu bekommen. Ich muss meine Wäsche nicht mühsam von Hand waschen. Dank KI müsste ich inzwischen nicht mal mehr Texte schreiben oder mir die Mühe machen, zeichnen zu lernen, sondern kann Bilder einfach mit einem Mausklick erstellen lassen (keine Sorge, meine Texte sind alle noch mühsam von Hand geschrieben 😂).
Aber was bleibt uns, wenn wir alles sofort haben?
„Wenn du langsamer machst,“ so schreibt Somé, „fängst du an zu erkennen, dass du dir im Stillen bewusst bist, was es genau ist, was du lieber nicht ansehen möchtest.“
Wovor laufe ich davon?
Die Maschine hält uns konstant in Bewegung. Ich bin da keine Ausnahme. Das Handy ist eine wirklich praktische Ablenkung, jederzeit griffbereit. Die Natur hingegen gibt uns einen ganz anderen Rhythmus vor: „Eine langsame, stille Art von Tag zu Tag zu existieren.“
Eine Sehnsucht tat sich auf, als ich diese Worte las. Nach Langsamkeit. Nach Natürlichkeit. Nach einem echten Leben. Kann es so einfach sein, dass ich einfach nur das Tempo verringere, wie Somé vorschlägt?
Spiritualität und Gebet
Durch beide Bücher zieht sich wie ein roter Faden, wie eine Selbstverständlichkeit, der Glaube an Anderswelten, Geistwesen und die Verbindung zu den weisen Ahnen. Obwohl Glaube hier wohl das falsche Wort ist. Die Dagara glauben nicht an unsichtbare Wesen oder unsichtbare Gottheiten wie es zum Beispiel im Christentum der Fall ist. So, wie Somé seine Erlebnisse beschreibt, sind diese Dinge ganz real und anfassbar wie ich oben schon erwähnt habe.
Diese Welt ist nur eine von vielen, so die Vorstellung der Dagara. Viele Wesen aus der Anderswelt verbergen sich lediglich vor uns und zeigen sich erst, wenn wir gelernt haben zu sehen (oder noch nicht verlernt haben zu sehen). Ich habe mich selbst gefragt, wie ich reagieren würde, wenn mir im Wald plötzlich ein Waldschrat oder ein Kobold begegnen würde. Ich würde gern behaupten, ich würde ganz cool hallo sagen. Aber so ganz sicher bin ich mir da nicht. 😂
Ahnen und Geistwesen begleiten uns, so Somé. Wir sind von ihnen umgeben und sie bieten Schutz, aber auch Korrektiv. Viele der Alltagsrituale sind deshalb dazu da, die Ahnen um Beistand zu bitten oder auch um Vergebung, wenn sie einen darauf hinweisen, wenn man einen Fehler gemacht hat oder auf Abwege gekommen ist.
In einer hyperindividualistischen und entzauberten Welt, in der alles alte Wissen verloren ist und wir in dem Glauben aufwachsen, dass wir völlig auf uns selbst gestellt sind, finde ich den Gedanken wirklich schön, von weisen Ahnen umgeben zu sein, die ihr Wissen sehr gern mit mir teilen. In Die Kraft des Rituals gibt Somé sogar beispielhafte Gebete und Rituale zum Beispiel zum Schutz bei einer Reise: „Es kostet nicht viel Zeit, ein kurzes Gebet sowohl am Anfang als auch am Ende des Tages auszuschicken.“
Eine Sehnsucht tat sich auf, als ich diese Worte las. Nach Langsamkeit. Nach Natürlichkeit. Nach einem echten Leben. Kann es so einfach sein, dass ich einfach nur das Tempo verringere, wie Somé vorschlägt?
Eine Sehnsucht nach Langsamkeit tat sich in mir auf.
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Fazit: Bücher erfüllt mit Weisheit – unbedingt lesen!
Ich könnte wahrscheinlich noch Etliches mehr schreiben, aber ich will es einmal hierbei belassen und hoffe, ich habe Euch einen kleinen Einblick gegeben und vielleicht sogar Lust gemacht, die Bücher selbst zu lesen. Ich jedenfalls liebe beide Bücher und werde sie ähnlich wie Robin Wall Kimmerers Buch Geflochtenes Süßgras immer wieder zur Hand nehmen. Das dritte Buch von Somé Die heilende Kraft Afrikas liegt auch schon auf meinem Lesestapel.
Ich habe beide Bücher übrigens auf Englisch gelesen, aber es gibt sie sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch. Für alle, die wie ich lieber im Original lesen: Vom Geist Afrikas heißt auf Englisch Of Water and the Spirit und der englische Titel von Die Kraft des Rituals ist Ritual: Power Healing and Community.
Es erfüllt mich mit unendlicher Dankbarkeit, dass Somés Älteste, Ahnen und Geistwesen die Erlaubnis gegeben haben, dieses Wissen mit der ganzen Welt zu teilen, und ich bin dankbar, dass diese Bücher auch ihren Weg zu mir gefunden haben. Etwas tief in mir regte sich, als ich die beiden Bücher las, und ich konnte die Weisheit in meinem Blut und meinen Knochen spüren. Vielleicht ist das der Grund, weshalb ich Fantasybücher schreibe, in denen die Charaktere ähnliche Dinge wie Somé erleben oder praktizieren. Vielleicht wusste es etwas in mir schon immer: Die Magie ist nicht verloren. Wir müssen nur wieder lernen, unsere Sichtweise zu erweitern und uns weniger an das Materielle zu klammern.
Vielleicht müssen wir einfach nur genauer hinschauen.
Ich jedenfalls wurde total inspiriert.
Was ich mitgenommen habe (neben all den Dingen, die ich schon erwähnt habe), sind unter anderem Dinge wie, die Geister bzw. Ahnen um Beistand bei allen Dingen zu bitten, mehr Dunkelheit in meinem Leben zulassen, mich wieder intensiv auf die Natur einzulassen und meinen Pflanzengeschwistern zuzuhören, und vor allem langsamer zu machen, um wieder ganz neu sehen zu lernen.
Und wer weiß, vielleicht verwandelt sich Großmutter Eiche ja auch eines Tages für mich in eine echte Großmutter …
Die Magie ist nicht verloren.
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